Aktueller Brief März 2024

Raus aus dem Opfer-Bewusstsein - Hinein ins liebende Schöpfertum!

 

Liebe Freundin, lieber Freund,

der Verlauf deines Lebens hängt vor allem von deiner Antwort auf zwei Fragen ab, die sich nur wenige Menschen bewusst beantworten. Sie lauten: Was für ein Wesen ist der Mensch in deinen Augen? Und was glaubst du, wer und was du selbst bist?

Kurzum, es geht um dein Menschenbild und um dein Selbstbild. Es geht darum, was du über deine Mitmenschen und über dich selbst denkst und (oft unbewusst) glaubst. Die meisten unserer Gedanken über die anderen und über uns selbst sind kritisierende, abwertende und verurteilende Gedanken. „Die anderen sollten dies und jenes sollten sie nicht“. „Die anderen sollten anders sein und sich anders verhalten und die Welt sollte anders sein! Und ich selbst bin auch nicht in Ordnung!“ Das sind die Grundgedanken von Menschen, die sich als vermeintliche Opfer fühlen anstatt als Schöpfer und Gestalter ihres Lebens. Wer andere beschuldigt (für was auch immer) gibt seine Schöpfermacht an jene ab und erklärt sich zum machtlosen Opfer von Menschen, von Institutionen, „vom System“ oder „von denen da oben“.

Solange wir so denken, binden wir unsere Hände und verstärken das Ohnmachtsgefühl sowie unsere Handlungsunfähigkeit. Unsere Verurteilungen halten uns in unserem selbst erschaffenen Gefängnis aus Angst, Scham, Schuld und Wut gefangen. Je lauter jemand schreit gegen dies oder jenes, desto mehr zeigt er sich in seinem Opfer-Bewusstsein. Wer das tut, kann nichts im Leben zum Besseren verändern. Er hat sich selbst entmachtet.

Das Leben oder Vater-Mutter-Schöpfer-Gott hat uns große Geschenke gemacht, die nur wenige erkennen, anerkennen und bewusst nutzen. Es hat uns Schöpferkraft geschenkt und das ist Schöpfermacht. Du bist wie jeder andere ausgestattet mit dieser hochkreativen Fähigkeit, deine Lebenswirklichkeit zu erschaffen, zu gestalten und zu verändern. Ob du das tust und in welcher Richtung du das tust, hängt davon ab, wie sehr du dein Herz geöffnet hast für die Liebe und dein Lieben. Solange du noch durch Angst, Wut, Scham, Schuld und Ohnmacht dein Herz und deinen Geist verbarrikadiert hast, erschaffst du weiter Schmerz, Enttäuschung, Ohnmacht und Wut. Das heißt, du verlängerst dein Opfer-Bewusstsein und hältst dein Leid und das Leid in der Welt aufrecht.

Aber das Leben hat dir, neben deiner Liebesfähigkeit, auch die Freiheit der Wahl geschenkt. Du wählst (meist unbewusst) jeden Tag zwischen Liebe und Angst, zwischen Annahme und Ablehnung, zwischen Verständnis und Verurteilung, zwischen dem Geist der Verbundenheit, des Mitgefühls und dem trennenden Denken und Handeln. Viele glauben (noch) nicht an die Macht der Liebe, die unserem Herzen innewohnt. Sie glauben, die Liebe sei schwach und sie sei oft blind. Hierauf möchte ich Mihail Naimy antworten lassen, der in seinem wunderschönen Buch „Das Buch des Mirdad“ dazu sagen lässt:

„Oft höre ich euch sagen, die Liebe sei blind, womit ihr meint, dass sie keinen Fehler in dem Geliebten erkennen kann. Diese Art Blindheit ist der Höhepunkt des Sehens. Wäret Ihr nur immer so blind, dass ihr nirgends einen Fehler erblicken könnt.

Klar und durchdringend ist das Auge der Liebe. Darum sieht es keinen Fehler. Wenn die Liebe euer Sehvermögen gereinigt hat, dann werdet ihr nichts mehr sehen, was eurer Liebe unwürdig ist. Nur ein der Liebe beraubtes Auge findet stets Fehler. Welche Fehler es auch immer findet, es sind nur seine eigenen Fehler.“

Ich wünsche uns allen, dass wir lernen, mit den Augen des Herzens auf uns selbst und auf alle anderen zu schauen, das trennende, verurteilende Denken immer mehr hinter uns lassen und zu erkennen, welch herrliche Wesen der Liebe wir von Natur aus sind.

Mit herzlichen Grüßen

Euer