defacto Magazin Köln & Aachen

Peter Hoch im Interview mit Robert T. Betz, DIPLOM-PSYCHOLOGE

 

Herr Betz, wie sind Sie zur Psychologie gekommen?

Mit 10 Jahren wollte ich Priester werden, weil ich die Welt verbessern wollte, und bin drei Jahre bei den Steyler Missionaren ins Internat gegangen. Als ich später begriff, dass Kirche und Religion die Menschen noch unglücklicher macht, als es sie schon sind und vor allem Kontrolle durch Angsterzeugung ausüben, habe ich die Psychologie vorgezogen, um zu verstehen, warum wir Menschen uns selbst und gegenseitig das Leben so schwer machen. Die Antworten auf diese Frage finden Sie heute in meinen Büchern und Vorträgen.

Liebe spielt in Ihrer Arbeit eine große Rolle. Warum?

Weil es letztlich um nichts anderes in unserem Leben geht als uns wieder daran zu erinnern, dass jeder Mensch im Kern aus Liebe besteht. „Ihr lebt, um lieben zu lernen und Ihr liebt, um leben zu lernen“ ist eines meiner Lieblingszitate (aus: „Das Buch des Mirdad“ von Michael Naimy)

Hat man es tatsächlich in der Hand, sein Leben und sich selbst zu lieben? Hängt das nicht auch von äußeren Faktoren ab, auf die man selbst keinen Einfluss hat?

Man hat es nicht in der Hand, sondern in seinem Herzen. Das ein-, zweijährige Kind liebt noch in seiner ganzen Unschuld. Aber dann erzählen wir ihm, es müsse ein guter Mensch werden und dass es Liebe nur gegen Leistung und Anpassung bekommen könne. Dies muss jedes Kind glauben und fängt so an, sich selbst zu verurteilen. Das nenne ich die „Vertreibung aus dem Paradies unserer unschuldigen Kindheit. Wenn wir begreifen, dass jeder Konflikt mit anderen letztlich daher kommt, dass wir uns selbst nicht lieben, haben wir den Schlüssel gefunden. Unser Glück als Erwachsener liegt nie darin, was der Andere (Partner, Kind, Kollege, Chef, Nachbar etc.) tut oder nicht tut, sondern nur darin, wie wir auf ihn reagieren. Wenn wir uns selbst die Unliebe vergeben, die wir uns selbst angetan haben, können wir auch unseren Mitmenschen mit Liebe, Verstehen und Vergeben reagieren.

Sie bringen auch Männern bei, wie sie wieder Freude am Mann-Sein empfinden. Wie kann man das verstehen?

Die Männer haben als kleine Jungen noch konsequenter als die Mädchen ihr Herz für alles verschlossen, was mit dem Fühlen von Gefühlen, besonders von Angst, Trauer und Wut zu tun hat. Sie wollten ein „richtiger Junge“ werden und später ein „richtiger Mann“. Aber der – meist abwesende, schwache oder autoritäre – Vater konnte ihnen hierin keine Anleitung geben. Wenn Sie die Männer heute anschauen, erkennen Sie sehr schnell die ängstlichen, traurigen und wütenden Gesichter der kleinen Jungen, die in ihnen stecken. Männer stehen heute mächtig unter Druck, haben wenig Freude in der Arbeit, der Partnerschaft und an ihrem Mann-Sein, laufen in erschöpften, oft kranken Körpern durchs Leben und reden nicht darüber. Ich habe die Situation der Männer in meinem Buch „So wird der Mann ein Mann!“ sehr klar beschrieben.

In meinen Männerseminaren lernen die Männer zu erkennen, wie sie in diese Einbahnschiene gerieten und machen ihr Mann-Sein wieder zum zentralen Thema ihres Lebens. Sie erkennen, wie gut der ehrliche Kontakt zu anderen Männern tut und dass es fast allen genauso geht, wie ihnen selbst. Nach diesen Seminaren gehen fröhliche Männer mit Lust am Leben und Arbeiten wieder in die Welt hinaus und manche Frau schickt mir ein email mit den Worten: „Danke für meinen neuen Mann!“

Ähnliche Seminare gibt es auch für Frauen. Was ist der Unterschied zum „Männer-Problem“?

Den Frauen geht es heute kaum besser als den Männern, auch wenn sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Weg sind, sich selbst zu finden und einen anderen Weg als ihre Mütter zu gehen. Die Frauen wollten sich aus Gefühlen von Schwäche und Ohnmacht und der Abhängigkeit vom Mann, wie sie bei ihrer Mutter erlebten, befreien und sind darüber hart und männlich geworden im Umgang mit sich selbst. Aber die Körper der Frauen erinnern diese jetzt durch Krankheit wieder daran, dass sie jetzt zur Selbstliebe und einer liebevollen Beziehung zu sich selbst und auch zu anderen Frauen finden dürfen. Die Probleme, die Frauen mit Männern haben, liegen vor allem an ihrer ungeklärten Verstrickung mit ihren Vätern in der Kindheit. Diese waren entweder abwesend oder hatten eine sehr enge Verbindung mit ihrer Tochter, die sich nicht selten als seine „Prinzessin“ fühlte.

Sie bieten eine sogenannte „Transformations-Therapie“ an. Um was für eine „Transformation“ geht es dabei?

Bei dieser Transformation geht es um die Verwandlung des „Normal-Menschen“, der sich nicht liebt und in vielen „alten Schuhen“ steckt, wie z.B. der Sucht nach Liebe und Anerkennung durch andere zu einem glücklichen Menschen, der in seiner Selbstliebe ein Vorbild ist für andere Menschen und zum Frieden in seinem Umfeld beiträgt. Dieser Mensch hat gelernt, seine Schöpfer-Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, seine negativen Emotionen zu fühlen und zu verwandeln und mit großer Freude zu arbeiten, zu leben und zu lieben.

Was für Menschen kommen zu Ihnen? Was suchen diese Teilnehmer/Patienten und was nehmen sie aus den Seminaren/Kursen mit?

Es sind Menschen zwischen 25 und 75, bisher zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer aus allen Berufen. Auffallend ist der hohe Anteil an Selbstständigen und Unternehmern (ca. ein Drittel). Es sind Menschen, die spüren, dass ihr Leben ganz anders aussehen könnte, als das was sie bisher gelebt haben. Sie sehnen sich nach innerem Frieden, Freude, Erfüllung und einer liebevollen Gemeinschaft, in der sich Menschen gegenseitig respektieren und unterstützen.

Bei Ihrer Arbeit geht es immer wieder um die so genannte „Geistige Welt“ und Botschaften, die von dort kommen. Was steckt dahinter?

Der Mensch ist von Natur ein geistiges (heißt: spirituelles) Wesen, das zurzeit Erfahrungen in einem menschlichen Körper macht. Die „Geistige Welt“ besteht aus Lehrern, die ihre irdischen Leben abgeschlossen haben und die Menschheit jetzt sehr kräftig begleiten und unterstützen, damit wir unseren Weg aus unseren leidvollen Kreisläufen hinausfinden. In den monatlichen Botschaften, die Sie auf meiner Website finden, erläutern sie, was in diesen Monaten und Jahren an Veränderungen in und auf Mutter Erde stattfindet und zeigt uns Wege auf, wie wir unser Leben wieder mit Liebe in die eigenen Hände nehmen und selbstbestimmt gestalten können.

defacto Magazin Köln & Aachen, Interview von Peter Hoch