Den Verstand nochmal zur Schule schicken

'The School of the Work' mit Byron Katie

Was soll das für ein Seminar werden? Kann mit sovielen Menschen überhaupt was Vernünftiges rauskommen? fragt mein Denker. Ich sitze mit 170 Menschen aus ungefähr 12 Ländern in einem Hotelsaal. Neun Tage Seminar liegen vor mir. Das Ganze klingt nach harter Arbeit: 'The Work'. Und 'The School' erinnert mich an frustige Jahre auf der Schulbank. "Hart" wird's vor allem für den Verstand. In den nächsten 9 Tagen hat er zum ersten Mal seit vielen Jahren kein 'freies Spiel' mehr. Der Denker in uns Teilnehmern wird immer wieder – sanft aber beharrlich – mit der Frage konfrontiert "Ist das wirklich wahr, was du da denkst?" Der Denker kämpft. Er will recht behalten. Er will seine Machtstellung nicht so leicht aufgeben. Schliesslich hat er den Job damals übernommen, mir zu beweisen, dass er recht hat. Ich bin also nicht mein Denker? Wer ist es dann, der da zwischen 50.000 und 80.000 Gedanken pro Tag in mir denkt?

Byron Katie, Mitte 60, sieht aus wie fünfzig, ist das Zentrum dieser Veranstaltung. Ihre Ausstrahlung - geistige Klarheit kombiniert mit herzlichem Humor und grosser Konzentration und Ernsthaftigkeit – zieht Teilnehmer wie Helfer in den Bann. "Das einzige Leiden besteht in einem verwirrten Verstand", sagt sie. Sie weiss, wovon sie spricht. Über 10 Jahre tiefste Depressionen mit extremen Eßstörungen, explosive Wutausbrüche, Schlafen auf dem Fussboden, weil sich ihr Verstand zu unwürdig fand für ein Bett… - ein hoffnungsloser Fall.

Dann eines Morgens die Wende. Sie wacht auf dem Fussboden auf, schaut einer Kakerlake zu, die gerade über ihren Fuss wandert – und kann ihrem Verstand zuschauen, wie er beginnt zu denken. Sie wird zum Beobachter ihres Denkers, sieht zu, wie dieser Gedanken produziert. Sie gewinnt die Freiheit des Beobachters und desjenigen, der sich fragt: Will ich das wirklich glauben, was meine Gedanken mir hier vorschlagen? Ist das wahr, was 'es' in mir denkt?

Diese Frage wird zur Grundlage von 'The Work nach Byron Katie'. Mehr als hunderttausend Menschen haben diesen Weg gelernt. Mit 'The Work' befreist du dich aus dem Gefängnis der tausenden von unwahren Gedanken, die fast alle Menschen plagen. Beispiele: "Ich brauche einen Partner, der mich glücklich macht." "Meine Kindheit hätte anders verlaufen sollen." "Mein Sohn sollte sich mehr anstrengen", "Mein Mann hat mich verlassen", "Im Leben bekommt man nichts geschenkt" usw.

'The Work' ist keine mentale Technik, sondern ein tiefgreifender Prozess der Selbstklärung – eigentlich eine Meditation. Der Kern besteht aus vier Fragen und einer oder mehreren möglicher Umkehrungen. Mit diesen vier Fragen gehst du in die Tiefe. Diese vier Fragen leiten dich zur Meditation über die Wahrheit eines Gedankens, all deiner Gedanken an. All deine Zellen und vor allem dein Herz signalisieren dir hier eindeutig, was wahr und was nicht wahr ist. Manchen trifft es wie ein kleiner elektrischer Schlag. Gedanken, die 30, 40 oder 50 Jahre lang geglaubt wurden, verlieren in Sekunden ihre Glaubwürdigkeit, die Anhaftung daran löst sich. Der Kleenex-Verbrauch ist beachtlich.

Warum soll es sich lohnen, neun Tage und über 2000 Dollar hierfür zu investieren? Weil es um alles geht, was mit dem Leben zu tun hat. Es geht um das Leiden im Kleinen wie im Grossen, das durch den Glauben an unwahre Gedanken aufrecht erhalten wird. Neun Tage, um alle ‚Baustellen’ seines Lebens anzuschauen, zu überprüfen und sie aufzulösen. 'The Work' sorgt für Klarheit im Geist. Am Anfang machst du 'The Work', am Ende arbeitet 'The Work' in dir und fragt dich in jeder stressigen Situation: "Ist das wirklich wahr, was du da denkst?" Und du erkennst immer wieder, dass das Leben es sehr liebevoll mit dir meint. "Es ist, wie es ist", wie Erich Fried schreibt. Katie: "Ich bin eine Liebhaberin dessen, was ist." Beide hätten sich gut verstanden.