"Unser Körper braucht drei "Medikamente": Freude, Liebe, Dankbarkeit"

Christiane Thoms im INTERVIEW mit Robert T. Betz, DIPLOM-PSYCHOLOGE

Robert T. Betz ist Diplom-Psychologe und begeisternder sowie begeisterter Referent, Autor von bisher 6 Bestsellern und Meditationslehrer. Er entwickelte seine Psychotherapie auf christlich-spiritueller Grundlage und bildet seit vielen Jahren Psychotherapeuten aus. Sein zentrales Thema und Anliegen ist es, die Menschen daran zu erinnern, dass sie von Natur aus göttliche Wesen voller Liebe sind. Er möchte sie unterstützen, Frieden, Freiheit, Freude und Gesundheit zu erschaffen und aus ihren "alten Schuhen" auszusteigen. DHZ-Redakteurin Christiane Thoms sprach mit ihm über Wege zur Veränderung des Lebensgefühls, warum er ein Männerbuch geschrieben hat und weshalb Fremdgehen ein spiritueller Wachstumsfaktor für Frau und Mann sein kann.

Herr Betz, auf welcher Grundhaltung beruht Ihre Arbeit? Was ist Ihr spezielles Anliegen, wenn Sie Vorträge halten und Therapeuten ausbilden?

Meine gesamte Arbeit zielt darauf ab, die Menschen wieder daran zu erinnern, was sie in Wirklichkeit sind; nämlich großartige, liebevolle und höchst schöpferische Wesen, die mit ihren Gedanken, Gefühlen, Worten und Handlungen ihre gesamte Lebenswirklichkeit erschaffen. Dieses Schöpfer-Bewusstsein ist uns Menschen seit Langem abhanden gekommen. Daher fühlen sich die meisten als Opfer anderer Menschen, widriger Umständen oder eines harten Schicksals. Jeder Mensch stammt aus dem Göttlichen, nennen Sie es "Vater-Mutter-Gott" oder "Liebe", und er sehnt sich nach Liebe. Nur glaubt er – nach den Erfahrungen seiner Kindheit – diese Liebe müsse er bei einem anderen Menschen finden und nicht in sich selbst. Jedes Kind lernt in den ersten Jahren, sich selbst zu verurteilen, indem es die kritisierenden, korrigierenden und herabsetzenden Rückmeldungen vonseiten der Eltern und anderer Schlüsselpersonen wie Erzieher, Lehrer etc. übernimmt und glaubt.

Welche Ursachen sehen Sie für Leidens- und Mangelzustände?

Diese Selbstverurteilung und das Verschließen des eigenen Herzens für die Liebe zu sich selbst, ist die erste Ursache für das Erschaffen aller Leidens- und Mangelzustände, seien es Krankheiten, Enttäuschungen oder Misserfolge. Die zweite Ursache ist die Unbewusstheit, mit der wir denken, sprechen und handeln. Diese Energien manifestieren unsere von uns erlebte Lebenswirklichkeit. Die dritte Ursache ist die Unfähigkeit und das Unverständnis unseren Gefühlen und Emotionen, gegenüber. Einerseits erschaffen wir seit der Kindheit durch unsere Gedanken in uns Gefühle wie Angst, Wut, Ohnmacht, Trauer, Scham, Schuld, Neid, Eifersucht und andere. Zugleich werden wir dazu angeleitet, diese Gefühle nicht zu zeigen oder auszudrücken, sondern sie abzulehnen und zu verdrängen. Diese emotionale Energie kann daher nicht aus unseren feinstofflichen Körpern hinaus fließen, sondern wird blockiert und erzeugt in der Folge die meisten körperlichen und psychischen Krankheiten.

Bieten Sie Hilfen an?

In meinen Vorträgen und Seminaren, Meditationen und Büchern gebe ich den Teilnehmern sehr wirkungsvolle Werkzeuge an die Hand, ihre innere wie äußere Lebenswirklichkeit zu ändern.

Eingeleitet durch eine Sinnkrise haben Sie eine Lebenswende durchlebt. Welche Entscheidung haben Sie damals getroffen?

Es war einerseits eine Sinnkrise, die ich um die 40 herum erlebte, in der ich mit der Frage konfrontiert wurde: "Wozu lebe ich eigentlich? Warum arbeite ich, was will ich und was soll das Wichtigste in meinem Leben sein?" Zum anderen waren es handfeste Panik-Attacken, die mich nachts wach hielten und nicht zur Ruhe kommen ließen. Beides zusammen führte mich zu der Entscheidung, mich selbst und mein seelisches Wohl in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen. So kündigte ich meinen gut bezahlten Job als "Vice President Marketing Europe" und ging – nach ein paar Wanderwochen in der Eifel – 1996 nach München, um noch einmal von vorne anzufangen. Nach einem Jahr der Besinnung entdeckte ich mehr und mehr ein Wissen in mir, das anderen Menschen half, ihr Leben nicht nur zu verstehen, sondern auch zu verändern. Ich fand immer mehr heraus, was mein Herz zum Singen bringt und folgte diesen Impulsen immer konsequenter.

In der aktuellen Ausgabe der DHZ heißt das Thema "Der Mann in der Naturheilpraxis". Sie haben kürzlich ein Buch herausgegeben "So wird der Mann ein Mann. Wie Männer wieder Freude am Mann-Sein finden". Warum haben Sie ein Männerbuch geschrieben?

Wer sich nur ein wenig umschaut, sieht und spürt, dass die meisten Männer alles andere als glücklich sind; auch die nicht, die beruflich erfolgreich sind. Männer leiden heute an unzähligen physischen wie psychischen Symptomen. Der Männerkörper schreit um Hilfe, ob durch Tinnitus oder Hörsturz, durch Herzschmerzen oder Herz-Rhythmus-Störungen, den sauren Magen oder seine Bandscheiben, seine vielen Gelenkprobleme oder Bänderzerrungen und vieles andere. Die psychische Situation vieler Männer ist von ängsten, Wut und unterdrückter Trauer gekennzeichnet und von dem Versuch, diese Gefühle der Schwäche zu unterdrücken und zu verleugnen. Das führt bei immer mehr Männern zu Phänomenen wie dem Burnout-Syndrom oder Depressionen.

Männer haben noch nicht ganz begriffen, dass es ihre erste Aufgabe ist, sich bestens um sich selbst zu kümmern, ihr Herz wieder zu öffnen für den kleinen Jungen in ihnen und damit für seine Gefühle und Sehnsüchte. Das ändert sich jetzt – nicht nur durch meine Arbeit – sondern weil Männer jetzt an ihre Grenzen kommen und ihre Seele mobil macht. Anlässe im Außen sind dann Krisen wie Beziehungsprobleme, Druck und Enttäuschungen am Arbeitsplatz, Unfälle oder Krankheiten.

Wird Ihr Buch auch von Frauen gelesen?

Mein Männerbuch wird auch von vielen Frauen sehr geschätzt und den Kommentar "Jetzt, nach diesem Buch, verstehe ich meinen Mann erst", habe ich schon oft gehört.

Worin sehen Sie die Ursache des Leidens der Männer?

Der Hintergrund des Leidens der Männer liegt nicht nur darin, dass sie als kleine Jungen schon früh ihr Herz verschlossen haben und zum Kopf-Menschen geworden sind, sondern auch, dass sie fast alle in hohem Maße mit der Mutter ihrer Kindheit verstrickt sind, die ihren Jungen auch dann innerlich nicht loslässt, wenn er ein erwachsener Mann ist. Das wirkt sich auf die Partnerwahl und das Erleben mit dem Partner aus. Zugleich waren die meisten Väter abwesende oder schwache Väter, die dem Sohn nicht zeigen konnten, was ein "richtiger Mann" ist. So gingen die meisten Männer auf die Leistungsschiene, erzeugten und nährten in sich einen immensen Druckmacher, hetzen mit der Sucht nach Bestätigung und Anerkennung durchs Leben und lenken sich von ihren Gefühlen ab durch extremes Arbeiten, Sport, PC, TV-Spiele oder durch eine der vielen Süchte, mit denen die innere Leere und empfundene Sinnlosigkeit des Lebens überdeckt werden soll.

Welche konkreten Tipps geben Sie den Männern?

Der Mann darf und kann sich heute entscheiden, sich wieder Zeit und Ruhe für sich selbst zu nehmen. Dazu hilft der Kontakt zu anderen Männern, um zu erkennen, dass er nicht allein dasteht, sondern dass es den anderen sehr ähnlich geht. Er darf lernen, nach innen zu gehen, um den kleinen Jungen in sich zu entdecken, die Verstrickungen mit Mutter und Vater zu lösen und zu einem neuen Denken über sich selbst, seinen Körper, seine Arbeit, seine Partnerschaft zu gelangen.

Konkrete Hilfen finden die Männer in meinen Männerseminaren oder in meinem Männerbuch. Sie dürfen und werden herausfinden, wie sie ihrem Herzen und seinen Wünschen folgen können.

Sie haben gesagt, dass Fremdgehen ein spiritueller Wachstumsfaktor in einer Beziehung ist. Worin sehen Sie den spirituellen Wert sexueller Seitensprünge?

Alles, was geschieht, nicht nur in einer Partnerschaft, hat einen guten Sinn, so auch der sog. Seitensprung. Hat ein Partner mit einem Dritten eine sexuelle Erfahrung, löst dies bei seinem Partner meist Gefühle der Angst, der Wut und der Minderwertigkeit aus. Hierin besteht der erste Sinn dieses Vorgangs. Denn die Verlassenheitswunde, die in fast allen Menschen seit der Kindheit ungeheilt schmerzt, wartet auf Heilung. Diese Heilung kann erst dann stattfinden, wenn der Betreffende anfängt, für seine ängste die Verantwortung zu übernehmen und diese Gefühle bejahend zu fühlen und dadurch verwandeln zu lernen.

Es ist interessanterweise nicht die Tat des einen Partners, der fremdgeht, was so sehr schmerzt, sondern es sind die darauf folgenden eigenen, sich selbst verurteilenden Gedanken der Frau oder des Mannes, die/der davon erfährt. Die erste Frage, die sich beispielsweise die Frau stellt, lautet fast immer: "Was hat die, was ich nicht habe?" Das heißt, sie wertet sich selbst ab und betrachtet das Ereignis als Beweis ihrer geringen Attraktivität. Wer insgeheim Angst hat, verlassen zu werden, der muss damit rechnen, dass es (wieder) geschieht, denn was du ablehnst, das ziehst du an. Das Fremdgehen oder auch die Trennung eines Partners vom anderen ist in vielen Biografien der Startschuss zu einer spirituellen öffnung und zum seelischen Wachstum aller Betroffenen.

Sie haben eine neue Form der Psychotherapie entwickelt: Die Transformations-Therapie®. Wann und wie ist diese Therapie anwendbar?

Die Transformations-Therapie® (TT) ist eine Therapieform, die psychologisches Wissen mit spirituellem Wissen verbindet. Ein Therapeut oder Arzt sollte wissen, mit welchem Menschen- und Weltbild er seinen Klienten oder Patienten begegnet. Dieser Punkt ist ganz entscheidend für die Frage, ob wirkliche Heilung stattfinden kann. Der TT-Therapeut betrachtet sein Gegenüber nicht als zu behandelndes Objekt, sondern als einen (bisher unbewussten) Schöpfer seines Lebens, dem nicht irgendeine Störung "weg gemacht" werden soll, sondern der selbst erkennen darf, wie er bisher seine Lebenswirklichkeit samt Körper und Psyche erschuf und gestaltete und wie er es jetzt anders machen kann. Wirklich heilen kann sich der Mensch nur selbst. Der Therapeut hat die Funktion eines Begleiters oder Moderators. Wer selbst, als Therapeut oder Arzt nicht weiß, warum er da ist als Mensch, woher er kam und was er von Natur aus ist, der kann einem anderen Menschen nicht wirklich helfen, denn der stochert im Dunkeln herum und laboriert am äußeren. Der TT-Therapeut ist in der Lage, in erstaunlich kurzer Zeit, oft in zwei, drei Sitzungen, dem Klienten große Schritte in Richtung Heilung, Befreiung, Klärung und Handlungsfähigkeit aufzuzeigen und ihm sehr wirkungsvolle Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen er im Alltag sich selbst begleiten kann in ein Leben immer größerer Selbstwertschätzung, Selbstliebe, Gesundheit und Erfüllung.

Psychotherapeuten sprechen oft vom "Loslassen". Sagen Sie das auch?

Nein, das Wort benutze ich nie, weil es zu großen Missverständnissen geführt hat. Wenn jemand etwas Loslassen will, meint er unbewusst eigentlich: "Ich will das Unangenehme oder Schmerzhafte (ob eine Krankheit oder eine Angst) loswerden. Hierin aber steckt das 'Nein'", die Ablehnung dem gegenüber, was jetzt da ist. Und sei es der Körper oder die Emotion Angst – in jedem Fall spürt das in mir Abgelehnte dieses Nein. Auch hier gilt: Was du ablehnst und loswerden willst, das kann nicht gehen. Dem gibst du durch deine Ablehnung noch mehr Energie.

Die wirkliche Bedeutung von "Loslassen" heißt "Annehmen". Egal, was jetzt da ist in meinem Leben, meiner Psyche oder meinem Körper – alles wünscht sich ein großes JA. Darum heißt einer meiner Schlüsselsätze: "Alles in mir darf jetzt da sein!" Das betrifft jede Krankheit, jedes Gefühl, jedes Ereignis. Der Verstand will das Unangenehme wegmachen, aber das Herz versteht und nimmt an. Denn es gibt nichts Sinnloses in unserem Leben. Alles will uns etwas sagen und uns aufwecken oder zu neuen Ufern führen.

Viele Menschen leiden an chronischen Erkrankungen oder unter chronischem Stress. Welche konkreten Lebensregeln empfehlen Sie diesen Patienten, um die Balance und Lebensfreude wieder zu finden?

Die Kernpunkte zur Veränderung meiner physischen wie psychischen Befindlichkeit habe ich bereits erwähnt. In meinen Büchern finden die Leserinnen und Leser sich selbst in vielen Punkten wieder und erkennen, wie sie heute aus diesem alten eingefahrenen Denken und Handeln aussteigen können, das sie in die Sackgasse geführt hat. Wir dürfen und können begreifen, dass der Mensch eine Einheit aus Geist, Seele und Körper ist und dass der Körper absolut abhängig vom Geist und von der Seele ist und keinen eigenen Willen hat. Er ist keine Maschine, die von außen repariert werden kann, sondern ein Wesen, das immer nur auf das re-agieren kann, was der Mensch fühlt und denkt. Unser Körper ist der Spiegel unseres bisherigen Bewusst-Seins, das in der Praxis meist ein Unbewusst-Sein darstellt.

"Wir alle streben nach Glück und einem erfüllten Leben." Das sagte schon der römische Dichter und Staatsmann Seneca im 1. Jahrhundert. Was ist für Sie Glück? Ist es Macht, Liebe oder Reichtum?

Das sind keine Alternativen. Das Gefühl, ein reiches und erfülltes Leben voller Liebe zu leben, entsteht aus dem Bewusstsein, dass wir ein Geist-Wesen in einem Körper sind, das ewig lebt und das verbunden ist mit allem. Glück ist das Bewusstsein, mit jedem Tag in diesem Körper das Geschenk zu erhalten, sich selbst und alle lieben zu können und die Herrlichkeit der Schöpfung zu entdecken. Glück ist immer eine Sache des Herzens und der Liebe. Der glückliche Mensch ist der, der liebt und mit seiner Liebe und seinem Herzen alles berührt, was ihm begegnet. Mögen alle Menschen diese Liebe bald in sich entdecken und leben. Denn ohne die Liebe ist alles nichts.

Lieber Herr Betz, ich bedanke mich für dieses interessante Gespräch!

Deutsche Heilpraktiker Zeitung 2 2011